Freitag, 2. Januar 2015

Chao Ecuador, mi amor.

"Wandern, reisen, aus der Fülle leben.
Schauen, staunen, fernwärts streben.
Lieben, träumen, alles geben.
Ich und Welt in eins verschweben."


Das wars, der letzte Post aus Ecuador. Die 20 Monate hier sind zu Ende und für mich bedeutet das Abschied nehmen. Dieser Moment war zwar vorhersehbar und rückte immer näher, die Schnelligkeit, mit der die Zeit hier jedoch letztendlich verging, habe ich mir niemals ausmalen können.

Ich verlasse Ecuador mit vielen, sehr gemischten Gefühlen. Ich habe mit keinerlei Erwartungen und Vorstellungen meine Reise ins Unbekannte begonnen, und dennoch, in diesem doch verhältnismäßig kleinen Land Südamerikas etwas wie eine zweite kleine Heimat gefunden, Erfahrungen gesammelt und bin an den verschiedensten Situationen gewachsen. Ich habe die Erlebnisse meines Lebens gehabt und eine andere, jedoch unglaubliche Kultur kennen gelernt. 
Nicht nur die Kultur, auch die Landschaft Ecuadors ist einfach unglaublich und hat sich für immer in mein Gedächtnis eingebrannt. Letztendlich jedoch waren es die Menschen, die meinen Aufenthalt in dem Land unvergesslich gemacht haben. Ich habe hier in der kurzen Zeit Freunde lieben gelernt. Es handelt sich hierbei nicht um irgendwelche Bekanntschaften, sondern eine schon so enge Freundschaft, als würde ich diese Personen schon seit Jahren kennen. Und natürlich werde ich auch meine lieben ecuadorianischen Kumpels vermissen, die ich sehr ins Herz geschlossen habe.

Ich nehme aus meinem Aufenthalt hier so viel mit, Dinge, die ich einfach nicht in Worte fassen kann und die ich mir für immer in Erinnerung behalten werde. Genau aus diesen Gründen bin ich traurig, dass ich jetzt schon gehen muss, einem Land und vor allem dessen Hauptstadt Quito, das für diese Zeit mein Zuhause war, den Rücken kehren muss. Ich habe keinerlei Ahnung, ob ich jemals wieder zurückkommen werde, natürlich werde ich es versuchen, aber wer weiß, wann ich es endlich schaffe.
Dennoch freue ich mich auch sehr auf das, was mich in der Zukunft, zunächst einmal in Costa Rica erwartet.


Ecuador - Ama la vida. 

Donnerstag, 1. Januar 2015

Las últimas semanas

In meinen letzten Wochen hier in Ecuador kamen noch total viele neue Erfahrungen hinzu. So verbrachte ich mein erstes Weihnachten ohne meine Familie und völlig anders bei 25 Grad und Sonnenschein 10000km entfernt vom Gewohnten.
Zunächst einmal gab es in meinem Projekt eine große Weihnachtsfeier. Alle Kinder kamen verkleidet oder in atemberaubenden und zauberhaften Kleidern.

 



Nach einem Weihnachtsumzug, angeführt von Maria, Joseph und Jesus natürlich,  bekam dann jedes Kind ein kleines Geschenk überreicht.







Diese Geschenke wurden von dem Geld finanziert, das durch den Verkauf von Plastikflaschen erzielt wurde. Flaschen, die zum einen aus jeder Familie eingesammelt aber auch von Fremden und Unterstützern gespendet wurden. Auch von der Stadt Quito bekamen die Kleinen eine Tüte mit Süßigkeiten und Keksen. Während die Kleineren noch überhaupt nicht verstanden haben, was vor sich ging, konnte man bei den Größeren schon die Freude und Begeisterung miterleben.
Nachmittags veranstalteten wir dann eine kleinere Feier im Kreise aller Mitarbeiter.

Nachdem ich morgens arbeiten musste, verbrachte ich den Rest des Heiligabends mit meiner ecuadorianischen Gastfamilie.


Die Feiertage verbrachte ich entweder mit der Familie oder Freunden. Für mich war es extrem seltsam und komisch, mein erstes Weihnachten ohne Kälte und meiner Familie in Deutschland zu feiern. Es war zwar eine unglaubliche und neue Erfahrung, dennoch finde ich persönlich Weihnachten in Deutschland besser. Bei frühlingshaften Temperaturen und Plastikweihnachtsbäumen kommt einfach beim besten Willen keine richtige Stimmung auf.

Zum Abschluss planten wir nochmal einen Tagesausflug nach Mindo, einem kleinen, scheinbar schönen Städtchen. Leider erwischten wir den Bus aber nicht rechtzeitig und so fuhren wir stattdessen noch einmal zum Äquator. Diesmal besuchten wir allerdings den Richtigen, das letzte Mal als ich dort war, gingen wir nämlich zur geographisch falschen 'Mitad del Mundo'.






Diese Woche hatte ich dann meine letzten drei Arbeitstage im SOS. Mit dem Ende des Jahres beendete ich also auch gleichzeitig meine Arbeit in meinem Projekt in Quito, indem ich nun für vier Monate gearbeitet habe. Der Abschied fiel mir total schwer, habe ich meine Arbeit dort doch in vollen Zügen genossen. Mein allerletzter Tag war noch einmal wunderschön. 
Da es Silvester war, verkleideten sich alle Mitarbeiter, die Kleinen wurden geschminkt und es gab eine Fiesta. 




Unter anderem gab es einen Wettbewerb innerhalb der verschiedenen Gruppen. Hierbei bastelten alle Puppen aus Kleidung und Zeitung. Die Schönste gewann- wie nicht anders zu erwarten selbstverständlich die aus meinem Team.






Danach wurden diese Puppen verbrannt, eine der vielen alten ecuadorianischen Traditionen, zu denen ich aber gleich noch mehr erzählen werde. 
Nachdem die Kinder dann ins Bett gebracht wurden (der verhasste Mittagsschlaf) gab es eine kleine Abschiedsfeier für mich. Alle Mitarbeiter kamen nochmal und so konnte ich mich von jedem verabschieden, auch wenn ich eigentlich nicht wollte. Werde meine Freunde dort, die Kinder und alles schrecklich vermissen. 

Abends gab es zunächst eine Silvesterparty bei uns daheim. Schon früh begannen wir mit den alten Silvestertraditionen. Neben dem Verbrennen der Puppe gibt es auch die Tradition, dass sich Männer als Frauen verkleiden und auf den Straßen die vorbeifahrenden Autos, sowie Fußgänger antanzen. In den meisten Fällen erhalten Sie dafür Kleingeld. Nunja, wir haben einfach mal mitgemacht. 


Nach dem Abendessen war es nicht mehr lange bis Mitternacht und jeder bekam seine zwölf Weintrauben. Diese müssen in der letzten Minute des Jahres gegessen werden.


Um Mitternacht gab's wie gewohnt Sekt und danach gingen wieder alle nach draußen, um auch hier eine Puppe zu verbrennen. Währenddessen ist es Brauch, über das Feuer zu springen. Das soll bewirken, dass das kommende Jahr gut wird. Natürlich bin ich gesprungen. :)



Und dann gibt es hier noch unzählige Brauche mehr. Zum Beispiel tragen die Ecuadorianer in dieser Nacht immer gelbe oder rote Unterwäsche, für die Liebe. Und ziemlich viele schnappen sich um Mitternacht einen Koffer und rennen mit diesem ums Haus, für das Reisen. Das Feuerwerk um null Uhr kommt da ein bisschen ins Vergessen. 
Nach dem kulturellen Silvester, kam dann der westliche Teil: feiern mit den Freunden. 

Mit dem Ende des Jahres ist nun also auch beinahe meine Zeit in Ecuador beendet. In 2 Tagen geht es für mich weiter nach Costa Rica. 

Ich wünsche allen ein wunderbares Jahr 2015 und dass sich alle Wünsche und Vorsätze erfüllen. Alles Liebe aus Ecuador! 



Freitag, 19. Dezember 2014

¡Qué viva Quito!

¡Feliz navidad, mis queridos!

Danke fürs Foto, Paul (:

Nach langer langer Zeit melde ich mich endlich mal wieder mit ein paar News. Die letzten Wochen habe ich es ein wenig ruhiger angehen lassen und die meiste Zeit hier in Quito verbracht. Grund dafür war zum einen der Abschied von zwei weiteren sehr guten Freundinnen, Aline und Romy, einige Geburtstage, sowie die Fiestas de Quito und die Tatsache, dass auch mir nur noch wenige Tage hier in Ecuador bleiben und ich deshalb die restliche Zeit mit meinen neu gewonnenen ecuadorianischen Freunden verbringen möchte.




Nach wie vor arbeite ich jede Woche von Montag bis Freitag im SOS Kinderdorf und der Umstand, dass es ab heute vermutlich nur noch sechs Arbeitstage sind, stimmt mich sehr traurig. Ich habe in dem Projekt einfach alle total lieb gewonnen und in mein Herz geschlossen. Jeden Tag werde ich mit fröhlichen Kinderstimmen, Umarmungen und Knutschern begrüßt, die mich mit einem Gefühl von unendlicher Freude und Zufriedenheit erfüllen: die Kinder sind einfach unglaublich niedlich und süß und zeigen mir so oft, dass meine Arbeit im Projekt nicht umsonst ist. Allein das ist mir die Mühe wert, für mich ist das der größte Lohn.





Wer kann schon von sich behaupten, dass die Puppe eines kleinen zweijährigen ecuadorianischen Mädchens nach ihm benannt wurde?
Ich habe aber nicht nur die Kinder, sondern auch die Mitarbeiter sehr gern und kann einige sogar mittlerweile als richtige Freunde bezeichnen, die sich um mich sorgen, mir zuhören und beistehen und immer für mich da sind. Vor allem meine beiden Kolleginnen Micxi und Paulina sind wunderbare Menschen, die mich von Anfang an mit offenen Armen empfangen und gerne aufgenommen haben. Nie werde ich die tolle Zeit mit den beiden vergessen, das steht fest!

Ende November startete dann das Projekt Adventskalender. Da es hier etwas dergleichen nicht gibt, habe ich beschlossen mit meiner Gruppe einen Kalender zu basteln und drei Tage später war er dann nach vielen Überstunden auch endlich fertig. Das Resultat ist meiner Meinung nach trotz weniger Materialien beachtlich und ich bin total stolz auf unsere Arbeit!






Jeden Tag bekommt eines der Kinder nun ein kleines Geschenk mit nach Hause. :) Und meine Mitarbeiterinnen sind so sehr von der Idee begeistert gewesen, dass sie das Ganze nächstes Jahr erneut machen möchten. Ich freue mich total! :)

Vergangenen Dienstag war ich dann Teil eines ecuadorianischen Weihnachtsbrauchs. Wie alle lateinamerikanischen Länder, ist Ecuador sehr konservativ und katholisch. Neun Tage vor Weihnachten beginnt in vielen Familien, so auch in meiner, die Novena. Jeden Abend geht man in das Haus einer anderen Familie, betet, singt, liest aus der Bibel vor und unterhält sich auch über aktuellere Dinge; Danach folgt dann  ein gemeinsames Essen mit allen Anwesenden. Für mich war das eine besondere Erfahrung, Teil dieses so persönlichen Ereignisses zu sein. 30 Menschen auf engstem Raum, viele weinen aus Dankbarkeit und Liebe zu Gott, und alles ist total emotional und freundschaftlich. Auf die Dauer wäre das nichts für mich, dennoch war es ein beeindruckendes Erlebnis.

Zum Schluss noch etwas zu den Fiestas de Quito, die vom dritten bis sechsten Dezember stattgefunden haben. Die Fiestas de Quito sind eigentlich eine mehrtägige riesige Party, während der die Bewohner der Stadt ausgelassen feiern, tanzen und natürlich auch trinken. Hintergrund des Spektakels ist die Gründung der Hauptstadt.



Typisch ecuadorianischer Partybus

Hierbei wird an jeder Ecke das ecuadorianisch ähnliche Glühwein-Getränk Canelazo ausgegeben und alle Häuser mit den Farben Blau/Rot geschmückt.


Überall kann man begeisterte Rufe vernehmen, die einmal "¡Qué viva Quito!" (Es lebe Quito!) oder "¡Qué chupe Quito!" (Es trinke Quito!) verkünden. Doch es wird nicht nur getrunken und gefeiert, die Fiestas de Quito bieten auch eine Menge Events, wie zum Beispiel Konzerte, Umzüge, Benefizveranstaltungen und vieles mehr. Der krasseste Eindruck war für mich eindeutig der Poloniaso Freitag abends.

Poloniazo
Hierzu fahren alle Jugendiche und junge Erwachsene zum selben Platz, stellen ihre Autos ab, hören Musik und bilden somit eine Partymeile von mehreren hundert Metern. Tausende Menschen auf einem Fleck, die alle nur am Feiern waren und so die Liebe und den Stolz zu ihrer Stadt zeigten. Ein gewaltiges Schauspiel.


In zwei Wochen geht es weiter nach Costa Rica, ich kann es kaum glauben, dass meine Tage hier schon so gezählt sind.
Ich wünsche euch allen ein wunderbares Weihnachtsfest und werde mich danach nochmal melden, bevor es dann Sonne, Strand und Meer für vier Monate heißt. :)
Un abrazo fuerte y un besito a todos. ¡Qué chupen!

PS. Es stimmt, in Lateinamerika nimmt man zu! ;)