Dienstag, 11. November 2014

Cuenca - Ciudad más bonita de Ecuador

'Vamos a plantearnos que estamos todos locos, eso explicaría como somos y resolvería muchos misterios.' - Mark Twain

Passend zum ersten November stand Sahra frisch gebräunt und voller Tatendrang vor mir - die fünf Wochen, die sie in ihrem Projekt auf Galápagos verbracht hatte, waren vorbei und nun blieben ihr noch weitere 10 Tage in Ecuador bevor es für sie 'Auf nach Chile' heißt.



Aus diesem Grund nahm ich mir den letzten Donnerstag und Freitag frei und gemeinsam machten wir uns mit dem Nachtbus in den Süden nach Cuenca auf, das insgeheim als schönste Stadt Ecuadors bezeichnet wird. Neun Stunden und mehrere gefühlte Kältetode später kamen wir um 07.00 Uhr morgens in der an und verliefen uns sofort. Weder Sahra, noch ich hatten natürlich einen Plan, geschweige denn eine Adresse von unserer Unterkunft. Nachdem wir unser Hostel Yakumama im Inneren der Stadt dann doch endlich gefunden hatten, erkundeten wir zunächst die wunderschöne Altstadt.







Das Hostel muss ich an dieser Stelle echt empfehlen. Wir hatten uns vorher keinerlei Gedanken über den Ablauf unseres viertägigen Aufenthalts gemacht, die Wand mit möglichen schönen Orten half uns hier sehr. Und auch das riesige Filmsortiment, die warmen Duschen (eine Seltenheit bei Hostels!) und alles andere verschönerten unsere Zeit in Cuenca sehr, trotz Zimmer mit acht fremden Personen.




Nach einer weiteren Stadterkundung mit einem waschechten Touribus mit abschießender Sicht auf die ganze Stadt schauten wir uns erneut in der Stadt um und gingen schließlich müde von der Busfahrt früh ins Bett.



Am nächsten Tag standen wir früh auf, Ziel war Ingapirca, eine Inkastätte - die größte Ecuadors und eine kleinere Ausgabe des Macchu Picchus in Peru. Ganz knapp und mit der lieben Hilfe von fünf Ecuadorianern erreichten wir unseren Bus auf die Minute genau und beinahe drei Stunden später waren wir dann endlich bei der archäologischen Fundstätte.





Nach einer einstündigen Führung verpassten wir den Bus nach Cuenca, weil wir zunächst einen großen Stein erklettern mussten und Sahra dann zusätzlich noch einen schildkrötenähnlichen Stein begutachten wollte. Vale la pena - der Stein sah echt aus wie ne Schildkröte und mit Umsteigen kamen wir dann auch irgendwann wieder zurück.
Vor Ort wagten wir einen kulinarischen Versuch, der in einem eklatanten Desaster endete. (Dieser Satz ist einem Münchner Professoren gewidmet- nein, ich habe Deutsch noch nicht verlernt.) Das Essen, das wir für 1,50$ auf einem einheimischen Markt erstanden hatten, beinhaltete neben Suppe und Reis mit Fleisch auch Hühnerfüße.


Gestärkt wollten wir abends neue Menschen kennen lernen und Freundschaften knüpfen und suchten uns aus diesem Grund die Bar mit der lautesten Musik aus. Wir brauchten eine geschlagene halbe Stunde um zu erkennen, dass es sich dabei jedoch um einen Club aus der Schwulenszene handelte. Wie geizige Deutsche jedoch sind, wollten wir keine weiteren drei Dollar für eine normale Location ausgeben und waren dann früher daheim als ursprünglich gedacht.

Am nächsten Tag war das Wetter wunderschön- ausgeschlafen beschlossen wir aus diesem Grund die Stadt ein bisschen mehr zu erkunden.






Nach längerem ziellosen Herumstreunen machten wir uns dann zum Parque Paraíso auf, wo wir nie ankommen sollten. Mehrere Stopps an der Uferpromenade später wurden wir von einem Geschwisterpärchen angesprochen und um unsere Hilfe gebeten. Ihre Mutter hatte am folgenden Tag eine Operation und dafür brauchten sie noch Blutspenden. Natürlich hatten wir nichts Besseres zu tun als den beiden ins Krankenhaus zu folgen. Dort wurden wir leider enttäuscht: zum Blutspenden hätten wir uns schon sechs Monate in Ecuador aufhalten müssen. Zusammen mit ihrer Mutter brachten sie uns dann als kleines Danke für den guten Willen zu einem tollen Museum und einer weiteren Inkastätte innerhalb Cuencas.


Nach einem weiteren Essen in dem Markt versuchten wir abends erneut unser Glück beim Ausgehen. Was soll ich groß erzählen, wir scheiterten wieder.

Sonntag war der letzte Tag in der schönsten Stadt Ecuadors, als Ziel hatten wir uns einen Besuch des Nationalparks Cajas gesetzt. Das Wetter war perfekt und als wir nach der kurzen Busfahrt auf 4000m Höhe ankamen, benötigten wir trotz der Lage des Parks keine warme Kleidung. Ich glaube hier sagen die Bilder mehr als irgendwelche Worte. 












Abends fuhren wir dann wieder mit dem Nachtbus zurück. Vier wunderbare Tage Cuenca sind nun zu Ende und damit leider auch die gemeinsame Zeit mit Sahra. Vor einer halben Stunde wurde sie abgeholt und sitzt bald im Flugzeug nach Chile. Ich wünsche dir alles Beste der Welt, novia, du wirst mir fehlen. Danke für alles!

Montag, 10. November 2014

Halbzeit in Ecuador

Nun bin ich schon mehr als die Hälfte der geplanten Zeit in Ecuador und irgendwie ist alles an mir vorbeigeflogen, so schnell kommt mir das ganze vor.

In diesen zehn Wochen habe ich Dinge erlebt, von denen ich noch später in hundert Jahren meinen Ururenkeln erzählen werde, aber auch Erfahrungen gemacht, die ich niemandem wünsche und auch selbst nicht wieder erleben möchte. Zu diesen Dingen zählen unteranderem auch die vielen Menschen, die ich bisher schon kennen lernen durfte, hauptsächlich Personen, die ich nun meine Freunde nenne und deren Bekanntschaft ich nicht mehr missen möchte, Menschen, aus den unterschiedlichsten Ländern der Welt, die meine Einstellung und meine Auffassung bezüglicher verschiedenster Dinge geprägt und auch beeinflusst haben. Natürlich gibt es da auch die ein oder anderen Wegbegleiter, bei denen ich froh bin, dass es nur eine Bekanntschaft auf begrenzte Zeit ist, aber nicht alle Menschen sind gleich und auch das Aufeinandertreffen mit diesen Personen hat mich in vielen Punkten bestätigt und weitergebracht. So weiß ich zum Beispiel, dass ich später auf keinen Fall Nonne werden möchte. ;) Dennoch bin ich so, so sehr dankbar für die wunderbaren Momente, die ich mit den wundervollsten Personen erleben durfte! Das größte Danke geht hierbei vor allem an Sahra, Aline und Romy. Ihr seid mir so sehr ans Herz gewachsen, ich hoffe, wir halten unseren Pakt nach der legendären Kong-Nacht geschlossenen Pakt ein. <3

Ja ich habe viel erlebt und würde alles jederzeit noch einmal anschauen, erklettern, essen, trinken, probieren, und und und.


Ecuador ist auch nach zehn Wochen ein völlig anderes Land und überrascht mich immer wieder aufs Neue. Ecuador ist anders, sehr anders als Deutschland, obwohl es auf den ersten Blick eventuell europäischer wirkt als es auf den Zweiten dann doch tatsächlich ist. So ist die Mentalität der Ecuadorianer total verschieden, auch wenn dieses "die Lateinamerikaner sind alle total offen und gehen auf neue Gesichter zu" sich eher als Vorurteil erwiesen hat. Es stimmt zwar, dass es viele hilfsbereite, liebe Leute gibt, es existiert jedoch auch eine große Skepsis und anfängliche Distanz. Die Ecuadorianerinnen sparen etwas mit ihrer Offenheit und geben einem eher ein etwas anderes Gefühl. Die Ecuadorianer jedoch sind diesbezüglich das genaue Gegenteil, mehr Offensive geht kaum. Heiratsanträge, Liebesgeständnisse, und fragwürdige Angebote gehören hier echt zum Alltag einer 'gringa' und man lernt erst mit der Zeit, wem man trauen kann und wem man nicht besonders Beachtung schenken sollte.
Dennoch hab ich mich vor kurzem im Bus neben einer alten Einheimischen wiedergefunden, die mir sofort anbot mir die Hand zu lesen, hab ich natürlich auch dankend angenommen und siehe da, sie hatte sogar Recht.
Trotzdem, es gibt einige Verhaltensweisen und Bräuche, die den ein oder anderen eventuell genauso stutzig machen würden, wie es bei mir der Fall war. Eine deutsche Einwanderin, die wir am Strand getroffen haben, hat das Ganze mal meiner Meinung nach perfekt auf den Punkt gebracht: "Die Ecuadorianer leben im 21 Jahrhundert, sind von ihrer Mentalität jedoch noch 150 Jahre zurück." Nun ja, 150 Jahre sind vielleicht übertrieben, aber wer beim Einkaufen jede einzelne Ware in eine separate Tüte einpacken muss, der macht meiner Meinung einen Schritt weg von Umweltschutz.
Ecuador riecht sogar anders. Nach Abgasen (Taxis, Taxis, Taxis und vieele Busse), anderem Essen, ein bisschen Marihuana, und eben Ecuador.
Und letztendlich ist Ecuador, vor allem jedoch Quito auch nicht ungefährlich. Mir ist noch nichts passiert, auch wenn ich nicht unbedingt der vorsichtigste Mensch hier bin und auch ab und zu das ein oder andere Risiko eingehe. In den vergangenen Monaten habe ich jedoch viele Überfälle und Diebstähle mitbekommen.

Im Moment ist hier in Quito Regenzeit. In Ecuador gibt es ja keine vier Jahreszeiten, sondern nur zwei. (Sommer: Trockenzeit, Winter: Regenzeit) Regenzeit bedeutet wie schon einmal erwähnt morgens Sonne, mittags Regen und Gewitter und damit verbunden auch mal den ein oder anderen Stromausfall. Abends ist es dann wieder trocken. Für mich ist es immer noch ein Rätsel, was die Einwohner in den zwei bis drei Stunden machen, in denen ganze Sturzbäche aus den Wolken kommen. Vor die Tür gehen ist jedenfalls unvorstellbar.

Aus genau diesem Grund war der Strandbesuch vor wenigen Wochen etwas noch Schöneres als er es eh schon wäre. Freitags war Feiertag und dann sind wir Donnerstag Mittag direkt nach unserer jeweiligen Arbeit mit dem Bus nach Atacames zum Strand und haben dort drei wunderbare Tage verbracht. Abends angekommen ging es sofort die 100m vom Hostel zur Promenade und wir ließen den langen Tag entspannt bei Meeresrauschen und Wärme (Nicht wie in Quito, wo es abends richtig kalt ist) ausklingen. Die folgenden beiden Tage lagen wir nur faul am Strand. Sonnen, baden, Batidos trinken, erholen- es gibt nichts Besseres für ein verlängertes Wochenende.










Nicht mal der schlimmste Sonnenbrand meines Lebens konnte mir diese Stimmung vermiesen. Und: endlich habe ich mal wieder einen Sonnenuntergang gesehen! In den Bergen ist dieses Erlebnis nämlich blöderweise ein bisschen seltener. Leider ging es am Sonntag dann jedoch wieder zurück.

Unter der Woche gehe ich also einer wunderbaren Arbeit mit tollen Mitarbeitern und Kindern nach. Ich liebe die Atmosphäre im SOS Kinderdorf und habe auch wirklich das Gefühl, etwas bewirken und die Kinder glücklich machen zu können.









Am Wochenende hingegen wird immer etwas unternommen- oder auch mal ausgeruht, das ist auch von der jeweiligen davor stattfindenden Nacht und dem derzeitigen Gesundheitszustand abhängig.
Halloween jedenfalls traf man hier kaum auf Normalsterbliche. Wir haben uns dem angeschlossen.


Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ich meine Zeit hier liebe und in vollen Zügen genieße.

Ecuador.
Ama la vida.